Archiv für Juli 2012

Mate mit Feinschliff

Den Mate-Mischungen aus dem letzten Experiment fehlen noch zwei Details: Kohlensäure und erhöhter Koffeingehalt. Die Kohlensäure lässt sich mit klassischem Brausepulver erreichen: Natron und Zitronensäure. Der Koffeingehalt sollte eigentlich mit Guarana erhöht werden, welcher in meiner Gegend leider schwer zu bekommen ist. Darum muss fürs Experiment erstmal Kaffee herhalten, echtes Guarana kommt später mit der nächsten Futtervorratsbestellung. Die Zutatenliste für heute:

Mate, Agavensirup, Natron, Zitronensäurepulver, Instant-Kaffee

Sprudelwach-Kaltgetränk

Der Hobbychemiker und Herdnerd sollte bedenken, dass Kohlensäure sich nur in kalter Flüssigkeit löst. Gießt man etwas Heißes über die Natron-Säure-Mischung, braust sie kurz auf und schmeckt danach wie stilles Waschwasser. Also werden zuerst die heiß löslichen Zutaten gemischt und mit beinahe kochendem Wasser übergossen, nach dem Abkühlen wird der Tee durch ein Sieb auf die Natron-Säure-Mischung gegossen. Da die Brause schnell überschäumen kann, lohnt es sich dabei einen Teller unter das Teeglas zu stellen. Wenn sich der Schaum gelegt hat, ist die Mate komplett.
Das Ergebnis ist – natürlich – dezent sprudeliger Eistee der beim Trinken leise zischt und dekorative Schaumränder bildet. Der zum Überdecken des Säuregeschmack nötige Extra-Agavensirup sorgt auch dafür, dass das Bisschen Kaffee kaum durch schmeckt.

Teemischung Halber Teelöffel Zitronensäure
  1. Den Tassenboden gut fingerdick mit Agavensirup bedecken.
  2. 1-2 Teelöffel Mate und 1 Messerspitze lösliche Kaffeebohnen darauf streuen..
  3. Wasser aufkochen, warten bis es nicht mehr blubbert, Tee aufgießen.
  4. Jeweils einen halben Teelöffel Natron und Zitronensäurepulver ins trockene Glas geben.
  5. Den ca. 10 Minuten gezogenen Tee im Kühlschrank abkühlen lassen, dann schnell durchs Sieb auf das Brausepulver gießen.
Fertige Mate mit Sprudel

Fazit: Das traditionelle Brausepulver aus Natron und Zitrone bewährt sich auch hier, teure Gerätschaften wie Wassersprudler sind also nicht nötig. Wer kein Säurepulver da hat, kann natürlich auch frisch gepressten Zitronensaft (oder Vitamin C, Essig etc.) verwenden. Wichtig ist nur, heiß/kalt und trocken/flüssig so sauber wie möglich zu trennen.

Viermal Mate mit was drin

Wer gerne bastelt, muss ihn früher oder später einmal selbst basteln: Mate-Eistee! Bei Flüssigkeiten mit heiß löslichen Aromen nennt man das Basteln auch „Kochen“.
Das Grundprinzip von Club-Mate, Flora-Power etc. besteht darin, einen kräftigen Mate-Tee zu kochen, gehörig viel Sirup, Dicksaft, Melasse, Fruktose oder ähnliche Süßungsmittel hinein zu rühren, Spuren von Gewürzen darin aufzulösen und dann etwas Kohlensäure hinein zu pressen. Klingt einfach, nicht wahr?

Für den ersten Versuch habe ich mich für vier Geschmacksrichtungen entschieden:

  1. Schlichter Klassiker
  2. Zitronengras-Carob
  3. Gartenkräuter
  4. Stevia-Minze

Zutaten für alle vier Mate-Varianten

Schlichter Klassiker

Für den klassisch überzuckerten Mate-Eistee ist die Zutatenliste kurz: Den Tassenboden fingerdick mit Agavensirup ausgießen, mit zwei gehäuften Teelöffeln Mate-Blattschnitt bedecken. Leitungswasser aufkochen und im Wasserkocher abkühlen lassen, bis es gerade aufhört zu sprudeln. Dann in die Tasse gießen, alles umrühren, je nach Geschmack zwei bis zehn Minuten ziehen lassen, durch ein Sieb gießen und schließlich kaltstellen.
Das Ergebnis kann sich vom Geschmack her durchaus mit Club-Mate messen. Es ist nur weniger süß und hat dafür mehr Mate-Aroma. Leider fehlt die krasse Bitterkeit typischer Koffeingetränke, was mancher Zuckerbrausefanatiker aber sicher zu schätzen wissen wird.

Sirup und Mate schon in der Tasse mischen
Beim Umrühren entsteht Entengrütze.
Umrühren - sieht aus wie Entengrütze
Ab durchs Sieb
Unterm Sieb wird dir alles klar.
Fertige Mate

Zitronengras-Carob

Jetzt wird es interessant. Zu den zwei Teelöffeln Mate kommen ein Teelöffel Zitronengras, eine Messerspitze Carob-Pulver und die obligatorische Schicht Agavensirup. Die Zubereitung läuft wie beim Klassiker, allerding darf das Wasser heißer sein und etwas länger ziehen, damit das Zitronengras-Aroma eine Chance gegen die intensivere Mate hat.
Das Ergebnis ist besser als alles, was ich für den ersten Versuch erwartet hatte. Es erinnert stark an Flora-Power. So süß, dass es gerade noch angenehm ist. Dabei so herb wie Schwarztee oder fast alles mit zu viel Koffein. Das rauchig-fruchtige Aroma ist sowas von Flora-Power, nur irgendwie besser, dass ich überlege, damit ein Unternehmen zu gründen. Ich könnte es Zitromate nennen, oder Carobade. Auf jeden Fall wird dieses Rezept in den Workshop im Oktober eingehen.

Gras-Mate Bittersüße Perfektion

Bittermate mit Gartenkräutern

Warum muss Mate-Eistee eigentlich süß sein, gibts da ein Gesetz? Für die Kräuter-Mate habe ich spontan in den Garten gegriffen und folgende Zutaten erwischt:

  1. 3 Blatt Gundermann
  2. 2 Blatt violetter Basilikum Sorte „Dark Lady“
  3. 1 Blatt Schafgarbe
  4. 1 Spitze Zitronenthymian
  5. 2 Apfelbeeren

All das wird kleingeschnitten, mit einem kleinen Teelöffel Mate bedeckt und wiederum mit so gut wie kochendem Wasser übergossen. Zehn Minuten soll es mindestens ziehen, dann gehts durchs Sieb und ab in den Kühlschrank.
Das Vorergebnis schmeckt zunächst nach normalem Kräutertee. Um den interessant zu machen, kommt der Saft einer halben Orange hinein. Das Ergebnis schmeckt fruchtig, herb und schwer mit einem Fertiggetränk zu vergleichen. Zumindest kenne ich noch kein Fertiggetränk wie dieses. Aufgesprudelt könnte es eine neue Now!-Sorte ergeben. Es ist gleichermaßen mate-herb und schorle-saftig.

Unkraut-Mate Unkraut

Stevia-Minze

Mit Stevia hatte ich noch nie zu tun. Angeblich hat es einen Beigeschmack von Lakritze, was für mich Grund genug war, einen weiten Bogen darum zu machen. Allerdings mögen manche Leute Lakritz-Cola, so dass es nahelag, eine Lakritz-Mate ohne Lakritze zu mischen. In die Tasse kommen diesmal ein gestrichener Teelöffel Steviapulver, zwei kleingeschnittene Pfefferminzblätter und ein Teelöffel Mate.
Das Vorergebnis ist erstmal ungenießbar. Der halbe Tropfen auf der Zunge, den ich gerade noch ertragen konnte, schmeckte tatsächlich nach extrem süßer Lakritze. Da von der Bittermate noch eine Orangenhälfte übrig war, wurde die Steviamate kurzerhand damit verdünnt. Mit genug Orangensaft und Leitungswasser war die Mischung dann trinkbar. Das Ergebnis schmeckt intensiv nach Lakritz und extrem süß. Mich könnte man damit jagen, aber wer Lakritz-Cola mag, der wird es runterkriegen.

Zuckerfrei Glibberzeugs

Fazit

Es lebe das Johannisbrot! Wenn reine Mate nicht genug ist, dann darf es Zitronengras-Carob sein. Mit den Gartenkräutern muss ich weiter experimentieren, damit sie nicht so sehr von der Mate überdeckt werden. Stevia eignet sich nur für Leute die sich sonst eine Lakritz-Schnecke in die Flasche hängen.
Zwei Rezepte für den Workshop sind jedenfalls gefunden, es wir klassischen Eistee und Zitro-Johannisbrot-Mate geben.